Chronik des Veteranen u. Reservistenvereins Böbing.

 

Zusammenfassung von Gerhard Hofauer anlässlich des 140 jährigen Jubiläums 2000

 

Um die Gründung des Böbinger Veteranenvereins in der Mitte des vorigen Jahr-hunderts besser beschreiben zu können, muss man wohl etwas genauer in die damalige

Zeit hinein schauen.

 

In der Zeit nach den napoleonischen Kriegen von 1808 bis 1813 gab es praktisch kein

deutsches Reich mehr. Es war zersplittert, aufgeteilt in eine große Zahl von Herzogtümern,

Fürsten u. Kurfürstentümer und Königreichen. Zwischen Maas und Memel, Etsch und Belt waren viele Staaten mit eigenem Zoll- und Münzrecht entstanden und mit eigenem Militär,

welches oft genug gegeneinander antrat. Aus dieser Zersplitterung heraus wuchs in vater-

ländischer Gesinnung der Wunsch nach einer nationalen Einheit. In eben diese Zeit des nationalen Aufbruchs fällt die Gründung der meisten Soldatenvereine in unserem Gebiet.

 

So fand sich in Böbing im Jahre 1857 bereits ein kleiner Kreis von jungen Burschen, welche

diese patriotische Gesinnung pflegten.

Zur Gründung des Soldatenvereins kam es dann im Jahre 1860, als Alois Suiter vom Militärdienst entlassen wurde. Der Verein bestand aus 18 Mitgliedern und wurde vom damaligen Pfarrer Laurent tatkräftig unterstützt.

Bereits 6 Jahre darauf, 1866 war der Krieg gegen Preussen. 8 Vereinskameraden nahmen

daran teil, welche gottlob alle wieder gesund heimkamen.

In den darauffolgenden Jahren wurde die erste Vereinsfahne angeschafft. Leider gibt es keine

Angaben über Weihedatum, Kosten usw. Wahrscheinlich war es eine relativ kleine Fahne mit einer Standarte.

4 Jahre nach dem deutschen Bruderkrieg kam es zum Feldzug gegen Frankreich 1870/ 71, an

dem 32 Vereinskameraden aus Böbing teilnahmen. 4 davon kehrten nicht mehr in die Heimat

zurück. Zur Ehre an diese 4 Kameraden wurde bereits 1872 das erst Kriegerdenkmal errichtet. Die Kosten betrugen 100 Gulden. Erstellt wurde es an dem Platz, wo heute im Zuge der späteren Kirchenerweiterung die Lourdesgrotte steht.

 

1878 wurde der Verein in Veteranen- und Kriegerverein umbenannt und erhielt seine erste schriftliche Satzung.

Zum 25-jährigen Bestehen des Vereins wurde bereits eine neue, prächtige und reich bestickte Fahne angeschafft, welche am 17. Mai 1885 im Rahmen eines Stiftungsfestes bei herrlichem Sonnenschein geweiht wurde.

Diese Fahne wurde von der Fa. Schreibmeier u. Co aus München gefertigt und kostete 300 Gulden. Im selben Jahr legte der damalige Vorstand Alois Suiter sein Amt nieder. Nachfolger wurde Bäckermeister Bader, welcher 3 Jahre später von Xaver Bader abgelöst wurde. Kassier wurde damals Gastwirt Franz Schuster.

Bemerkenswert ist auch ein Eintrag im Jahre 1895:

Feier zum 25. Jahrestag der siegreichen Schlacht von Sedan im Krieg gegen Frankreich.

1898-99 musste im Zuge der Kirchenerweiterung das Kriegerdenkmal verlegt werden.

Landwirt Scheiber stellte das Grundstück zur Verfügung, das vom Kaufmann Westermayer großzügig entschädigt wurde.

Mit einer zwei tägigen Feier wurde im März 1901 der 80. Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit, Prinzregent Luitpold, gefeiert.

Eine Böllerkanone schenkte 1907 Sebastian Mayr vom Oberhett dem Verein, und im Jahr darauf stiftete Georg Brey eine Erinnerungstafel mit den Namen der verstorbenen Kriegsteilnehmer.

 

Zum 50. Gründungsfest 1910 wurde erneut eine neue Fahne angeschafft, welche für 600 Goldmark von der Fa. Auer in München gefertigt wurde. Mitfeiern konnten damals noch 5 Gründungsmitglieder, nämlich Jakob Gretschmann (Marx in Leiten, Thomas Göbl vom Wölfl im Kirnberg, Bernhard Bußjäger (Geigeränder im Kirnberg), Josef Staltmeier vom Granerhof

(Spender des Vereinsemblems) und Josef Schwarz von Böbing.

Es folgte die Schwere Zeit des 1. Weltkrieges, wo 48 Söhne der Gemeinde Böbing ihr Leben auf dem Felde opferten.

 

1919 wurde Georg Karl zum Vorstand des Vereins gewählt, und im Jahr darauf wurde das Kriegerdenkmal um die beiden Löwen erweitert, auf deren Sockel die Namen der gefallenen Kriegsteilnehmer eingraviert wurden.

 

1932 übernahm Josef Fischer vom Besl die Vereinsführung.

 

1934 ist der Verein geschlossen dem Kyffhäuserbund beigetreten, woraus dann die SA Reserve II gebildet wurde.

Daraufhin hatte Josef Fischer seine Vorstandstätigkeit niedergelegt; neuer Vorstand wurde Josef Öttl.

 

Das 75. Gründungsfest wurde am 10. Juni 1935 gemeinsam mit den Nachbarvereinen Rottenbuch und Schönberg gefeiert.

Von einer NS Kriegerkameradschaft berichtet der Chronist erstmals 1938 im Zusammenhang mit einem Gebietsaufmarsch am 15. Mai in München, wo 30 Kameraden aus Böbing teilnahmen.

 

Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges mußten 25 Mann von der Böbinger Kameradschaft zur Wehrmacht einrücken.

Bereits am 23. September ist in Polen im Alter von 18 Jahren Georg Hengler, der Sohn des damaligen Bürgermeisters gefallen.

 

Am 09.11.1941 feierten Gemeinde und Kameradschaft gemeinsam die Verleihung des Ritterkreuzes an Oberfeldwebel Josef Gretschmann, welcher zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Am 28. April 1945 wurde um 20.00 Uhr Böbing von den Amerikanern besetzt. Kameradschaftsführer Stefan Öttl erlag zur gleichen Stunde einem Herzschlag, und die Kameradschaft wurde von der Besatzung aufgelöst.

Bei der Neugründung des Veteranen- und Kriegervereins Böbing am 25.11.1951 wurde der Bergmann Johann Schauer einstimmig zum Vorstand gewählt, welcher in einer erfolgreichen Aufbauphase bis 1959 den Verein leitete. 2. Vorstand Fischer Josef (Besl) und Schriftführer war Straus Georg. (Wick)

 

Es folgte Josef Weishäupl, ein Kamerad aus dem Sudetenland der in Böbing Arbeit als Postbote und wieder eine neue Heimat fand.  27 Jahre wirkte er als Vorstand.

In seine Zeit fiel das 100-jährige Gründungsfest am 29.Mai 1960, die Verlegung des Kriegerdenkmals 1973 zum neuen Friedhof und die Jubiläumsfeier zum 120-jährigen Bestehen am 16. Nov. 1980.

Ebenfalls in diese Zeit viel ein sehr wichtiger Teil der Vereinsgeschichte, die Öffnung des Vereins für die Kameraden der Bundeswehr.

 

Aus gesundheitlichen Gründen musste Weishäupl 1986 das Amt des Vorstandes an Albert Klimanschewski, einen Soldaten preußischer Herkunft übergeben, den es durch den Krieg nach Oberbayern verschlagen hatte und auch hier eine neue Heimat fand.

 

Böbings Reservisten aus der Bundeswehr, welche sich schon 1967 zusammentaten und die Kameradschaftsabende in Bayersoien besuchten, gründeten 1974 die Reservistenkameradschaft Böbing / Rottenbuch u. Uffing mit Vorstand Schauer Heini aus Rottenbuch, Strunz Alfred aus Böbing war Schriftführer und Kassier.

 

Am 8.11.83 wurde die eigenständige Kameradschaft Böbing begonnen mit Vorstand Alfred Strunz und Kassier Herbert Jankowski.

 

1989 übernahm Gerhard Hofauer das Amt des Vorsitzenden der Reservisten.

 

1992 folgte der Generationswechsel

 

Reservist Peter Bertl übernahm 1992 das Amt des 1. Vorstandes des Veteranen und Kriegervereins von Albert Klimanschewski, welcher aus gesundheitlichen Gründen dieses abgegeben hatte.

 

1998 begann die Zusammenführung beider Vereine und 1999 wurde die Verschmelzung

des Veteranenvereins und der Reservistenkameradschaft Böbing offiziell vollzogen und

heißt seitdem Veteranen und Reservistenverein Böbing.

 

Es muß noch einmal erinnert werden, an die weise, frühzeitige Öffnung des Veteranenvereins für die jungen Kameraden der Bundeswehr durch die damalige Vorstandschaft mit Weishäupl Josef als 1. Vorstand, Bertl August 2. Vorstand, Schrenk Rudl Schriftführer und Gretschmann Pius Kassier.

Beisitzer waren damals Hückl Helmut, Müller Leo, Bertl Josef und als erster junger, Holzmann Hans.

Nur durch diese frühzeitige Öffnung des Vereins ist in Böbing der Generationswechsel reibungslos durchgeführt worden.

 

Veteranen und Reservisten beteiligten sich gemeinsam an Veranstaltungen der Bundeswehr,

wie Übernahme einer Patenschaft mit dem Fm LBtl 8 in Murnau, welches das 1. Gelöbnis in der Öffentlichkeit in Böbing durchführte, oder das bekannte Oberland Schießen in Mittenwald und das Sternbeck – Pokal Schießen in Landstetten.

 

Seit den Neuwahlen 1998 besteht die Vorstandschaft nur noch aus Reservisten der Bundeswehr, die sich der nicht immer leichten Aufgabe stellen, die alte Tradition und Kameradschaft zu erhalten und das Gedenken an die Gefallenen, Vermissten und bei der Vertreibung ums Leben gekommenen zu wahren zur immer währenden Mahnung zum Frieden in der Welt.

 

140 Jahre Veteranen und Reservistenverein.

Am 28. Mai 2000 feierte der Veteranen und Reservistenverein Böbing, sein 140-jähriges Gründungsfest. Bei schönem Maiwetter fanden sich die Nachbarvereine aus Rottenbuch, Schönberg, Bad Bayersoien, Wildsteig. Peiting und Hohenpeissenberg und alle Ortsvereine mit ihren Fahnenabordnungen und Mitgliedern am Kriegerdenkmal zum Kirchenzug ein.

Die Feldmesse im Garten des Kinderheimes zelibrierte Pfarrer Schultes.

Unsere Musikkapelle umrahmte die hl. Messe mit Heldenehrung in würdiger Form.

Anschließend marschierte man ins Festlokal Alte Post, wo in der Tenne die Festansprachen und Ehrungen vorgenommen wurden.

 

Im Jahr 2000 zählte der Verein 136 Mitglieder davon noch 30 Kriegsteilnehmer.

Das älteste Mitglied war Martin Wörmann mit fast 95 Jahren.

Auf 60 Vereinsjahre konnte Jakob Miller zurück blicken.

Ehrenmitglieder hatten wir 5 und am Festtag zum 140 jährigen, wurden zusätzlich 3 Kameraden für Ihre

aktive Mitarbeit und Vereinstreue zum Ehrenmitglied ernannt.

Dies waren Hermann Manhart, Jakob Gretschmann u. Pius Gretschmann.

 

Weiterführung der wichtigsten Ereignisse ab 2001:

 

Am 25. Mai 2003 konnten wir das frisch restaurierte Wuth – Denkmal in der Geigersau einweihen. Dr. med. Ernst August Wuth, hatte in den Jahren 1900 bis 1910 den Veteranenverein großzügig unterstützt.

 

Im November 2007 gab es den nächsten Generationswechsel in der Vorstandschaft: Gerhard Hofauer, der bereits als Schriftführer in der Vorstandschaft tätig war, übernahm von Peter Bertl, der den Verein 15 Jahre geführt hatte, die Nachfolge als 1. Vorstand.

 

2009 wurde im Rahmen der Dorferneuerung das Kriegerdenkmal restauriert und am 26.9.2010 anlässlich unserer 150 jährigen Gründungsjubiläums eingeweiht. Im Anschluß daran fand die Jubiläumsfeier im Gasthaus Haslacher statt, an der auch Landrad Dr Zeller, Bürgermeister Peter Erhard, die Nachbarvereine und die örtlichen Vereine teilnahmen.

 

18.02.14 Aufstellung der Gedenktafeln am Kriegerdenkmal anlässlich des 100. Jahres nach dem Beginn des 1. Weltkrieges

 

Zum Gedenken und als Mahnung an den Beginn des ersten Weltkrieges vor 100 Jahren brachten 1. Vorstand Gerhard Hofauer und Kassier Josef Manhart Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen und Vermissten des 1 Weltkrieges aus Böbing an die bereits Anfang Januar aufgestellten Birkenkreuze am Kriegerdenkmal an. Zusätzlich wurde an einem Kreuz eine Gedenktafel angebracht mit folgender Inschrift:

 

Vor 100 Jahren begann am 1. Aug. 1914 der 1. Weltkrieg.

Von 1914 bis zum Kriegsende 1918 sind aus unserer Gemeinde 48 Männer gefallen oder vermisst.

Wir wollen ihrer gedenken und ihre Namen nicht vergessen.

Das Leid und der Kummer dieser Familien und die Erinnerung an dieses schreckliche Unheil soll uns Mahnung   für den Erhalt des Friedens sein.“

 

Im November 2015 feierten wir unseren 155. Geburtstag im Rahmen einer erweiterten Jahreshauptversammlung. Höhepunkt der Veranstaltung war ein Vortrag über einen angeblichen Flugzeugabsturz an der Hohen Bleick im Sommer 1944 durch Herrn Schmitt aus Schongau.

 

 

Im Kalenderjahr 2018 hat der Verein seine letzten 4 Kriegsteilnehmer verloren. Dies waren:

Pfarrer Josef Weber, verstorben am 3. März

Johann Haslacher, verstorben am 3. Mai

Helmut Hückl, verstorben am 7. Juni

Ludwig Haser, verstorben am 29. Juni

 

Der Veteranen- und Reservistenverein Böbing hatte am 17.11.2018 138 Mitglieder.

Von diesen 138 Mitgliedern haben 136 gedient und dürfen sich nach einem Beschluß des Bundesveteidigungs Ministeriums vom November 2018 jetzt auch offiziell als Veteranen bezeichnen (vorher Reservisten).